Samstag, 12. März 2016

Wer hat an der Uhr gedreht?

Hallo Ihr!

Halbzeit.  Ich mein es war ja klar dass die Zeit vorbei geht aber es ist so ein komisches Gefühl jetzt zu wissen dass mittlerweile sogar schon mehr als die Hälfte vorbei ist.Wenn ich so an meine Zeit hier denke, fühle ich mich als wäre ich schon eine Ewigkeit hier, anderseits als wäre ich erst angekommen. All die Sachen die ich hier schon erlebt, gefühlt, gedacht oder gelernt habe. Aber anderseits all die Gedanken und Vorstellungen die ich vor meinem Auslandsjahr hatte. Man versucht ja zuvor sich keine zu großen Vorstellungen oder Hoffnungen oder so zu machen, aber irgendwie schafft man das dann doch nicht. Und ich wusste dass es nicht leicht wird. Geschweige davon dass es einem recht oft gesagt wird merkt man es auch oft. Aber was einem noch viel öfter gesagt wird ist: "Ist doch mega, ein Jahr Urlaub in einem Land in dem es immer Sommer bleibt." Und ich kann euch sagen: ja, das hätte ich auch gerne. Ich schätze natürlich total was ich hier habe und manchmal fühlt man sich auch wie im Urlaub. Aber ein ganzes Jahr und in diesem Fall mein Jahr könnte ich nicht als ein einziger Urlaub bezeichnen. Es ist nicht alles Sonne,Strand,Sommer. Auch das gehört zu meinem Blog...ich kann nicht behaupten alles immer bestens ist. Und dieser Blog-Eintrag wird ganz gewiss nicht traurig oder sonst was. Aber es ist für mich wichtig auch mal das anzusprechen.

Man kann einfach nicht sagen wie ein Auslandsjahr ablaufen sollte.  Und was ich wirklich gelernt hab ist dass auch wenn man sich vor dem Jahr sagt dass man keine Vorstellungen oder Ansprüche haben möchte, man es doch immer in irgendeiner Art.  Man könnte auch annehmen dass alle in dem gleichen Land, gerade in einem so kleinen Jahr wie in Panama, ein ähnliches Jahr erleben. Aber auch von dieser Theorie hab ich mich so langsam verabschiedet. Wenn ich jetzt mein Auslandsjahr im Vergleich zu anderen sehe, kann ich wirklich vollkommen bestätigen dass jedes Jahr so  unterschiedlich ist. Was ich hier erlebe, im selben Land, mit der scheinbar selben Kultur, ist teilweise das totale Gegenteil von anderen. Manche haben es leichter, manche schwerer. Manche reisen mehr, manche weniger. Manche haben eine bessere Beziehung zu ihrer Gastfamilie, manche eine weniger gute. Manche kommen mit mehr klar, manche mit weniger.  Aber so ist es, und das alles nehmen wir auch irgendwie in Kauf für all das was wir hier dazulernen und erleben dürfen.

Ein großer, wenn auch von manchen angefechteter, Teil der Kultur Panama's ist der jährliche Karneval. Wir, mehrere Austauschschüler mit einer Betreuerin, mieteten für diese Tage ein Haus in Guarare, welches circa 5 Minuten von Las Tablas entfernt ist. Las Tablas ist die Hauptstadt der Provinz Los Santos, in welcher ich wohne. Diese Stadt ist in Lateinamerika für einen großen und umfangreichen Karneval bekannt.
So begann der Karneval am Aschermittwoch, mit der Vorstellung der sogenannten „Reina’s“ (Königinnen). Den den ganzen Karneval ging es darum eine einzige Reina des Karnevals 2016 daraus zu machen. Dieses Vorgehen findet im Park von Las Tablas und in anderen Orten Panama’s statt. Las Tablas jedoch wird in die „Calle Arriba“ und „Calle Abajo“ eingeteilt, die obere und eben die untere Straße. Dies sind die Hauptkonkurrenten. Es ist unglaublich wie viele Menschen an diesem Spektakel teilnehmen. Ich sah zuvor Bilder doch ich habe es erst richtig geglaubt als ich mitten in der Menschenmasse stand und zuvor auch noch in der Schlange zur Polizeikontrolle. Die Straßen sind so voll, dass man wirklich eine halbe Ewigkeit braucht von A bis B zu gelangen. Da Panama im Februar gerade in der Sonnenzeit ist und eine Tagesdurchschnittstemperatur von 32°C herrscht, kommt man bei dem feiern ganz schön ins Schwitzen. Die Sonne prasselt mit einer  Stärke auf alle nieder, die man sich in Deutschland gar nicht vorstellen kann. Und so gibt es zum Glück von jedem die „culecos“, welche jeden Tag von 10 bis 16 Uhr stattfanden.  Das sind mehrere Tanklaster welche an den Straßenrändern stehen. Die Menschen nutzen das wie eine Tribüne und stellen sich darauf und machen mit einem gigantischen Schlauch die ganze Masse nass und kühlen so bestens alle ein bisschen ab. Make-Up oder sonstige aufwendige Frisuren haben also keinerlei Chance.  Wenn man die Hand hebt, „Agua!“ schreit und in der Masse entdeckt wird, wird der Schlauch für mehrere Zeit auf einen gehoben. Jedoch schaffte man es auch ohne die Hand zu heben nicht trocken zu bleiben. Um die Tanklaster waren weitere Tribünen aufgebaut, welche als VIP-Plätze oder zu Werbezwecken genutzt wurden. Die Werbung war sehr offensiv, da man den Werbegeschenken ausweichen musste. So flogen Flaschen oder sonstige Gegenstände in die Massen und ich hatte auch öfters die eine oder andere Flasche unvorhergesehen an den Kopf. Die weichere Variante waren die Tribünen auf welchen Schaumkanonen standen. Bei der Latino-Musik hatte man keine andere Wahl als zu tanzen, soweit wie tanzen eben möglich war auf der doch sehr streng begrenzten Tanzfläche. Am Ende des Tages gingen wir immer nass, glücklich und mit vielen neuen Plastikflaschen und T-Shirts nach Hause. Abends beziehungsweise nachts haben wir immer noch ein bisschen den Karneval und natürlich das Leben gefeiert. Das ging bis Mittwochmorgen um 5 Uhr so, da sich dort so früh sehr viele Menschen um den Park versammelten um den Karneval zu beenden. So ging es um die finale Entscheidung der  Reina 2016. Calle Arriba und Calle Abajo haben sich so also auf den Kampf vorbereitet und es sollte entschieden werden, indem von beiden Feuerwerke veranstaltet werden. Das größere Feuerwerk sollte also gewinnen. So dauerten die Explosionen über eine Stunde an und in dieser Zeit kam man kaum darum sich die Ohren zuzuhalten und zu schwitzen, da die Hitze so nah war. Es hatte solche Ausmaße, dass man sich fast hätte denken können dass der ganze Park bald in Flammen stünde. Es war auf jeden Fall spektakulär, jedoch möchte ich mir gar nicht vorstellen wie viel Geld in dieser Zeit in Flammen auf ging. Jedenfalls hatte ich wunderbare 6 Tage, mit welchen ich die Liste meiner Highlights in meinem Jahr in Panama erweitern kann. Einen Satz hörte ich während Karnevals sehr oft und habe ihn auch selbst gesagt: „Que locura!“










Ich wurde zu einem Wochenendtrip eingeladen in eine „Stadt“ namen Santa Fe, welche in der Provinz Veraguas liegt. Dort ist es um einiges kühler, daher haben wir bei den täglichen 15°C teilweise sehr gefroren. Trotzdem haben wir in Hängematten geschlafen und alles sehr genossen. Es gab Spagetti und sonstiges sehr gutes Essen von der Feuerstelle. Die Natur dort war wirklich sehr schön und teilweise kam man sich wirklich vor als sei man im Dschungel. Wir durften auch keine morgendliche Wanderung machen, da dort scheinbar morgens ers mal der ein oder andere Leopard rumtreibt. Das Haus lag auch direkt am Fluss, über welchen eine ein bisschen wackelige Brücke gebaut war. Es war zwar echt kalt für uns und das Wasser im Fluss war noch gefühlte tausende mal kälter aber natürlich haben wir uns trotzdem reingetraut. Wir haben uns auch von einer Felsenwand fast wie Tarzan mit einem Lianen ähnlichen Seil in das Wasser geschwungen, wobei ich zugeben muss dass ich es bei mir eher nach einem Absturz aussah, haha. Es ist einfach immer schön an Orten zu sein an welchen man davor noch nicht war. Außerdem durfte ich meine eigenen Orangen pflücken!














Am nächsten Wochenende bin ich mit Freunden an die Pedasi Küste, an den Playa Venao. Und für mich wurde ein kleiner Traum war: ich war surfen. Playa Venao ist als einer der besten Surfer-Strände Lateinamerikas bekannt. Über Das Jahr, vor allem in der Sonnenzeit kommen Touristen und Surfer aus all möglichen Ländern dort hin, surfen und genießen das Leben am Strand. So haben wir Portugiesen, Kolumbianer, Argentinier, auch Deutsche und noch viel mehr Nationen kennengelernt. Da wir aber erst abends angekommen sind mussten wir uns mit dem surfen noch ein bisschen gedulden und haben den Abend beziehungsweise die Nacht am Strand verbracht. So konnten wir direkt am Morgen noch den Sonnenaufgang von unserem Haus auf einem Berg an der Küste perfekt anschauen von der Hängematte auf dem Balkon aus.






Am nächsten Tag machten wir uns dann auf zum Surfen, mieteten uns für drei Personen zwei Boards und versuchten unser Glück. Ich hatte mir ja vorgestellt dass surfen sehr schwierig ist und das hat sich auch bestätigt. Ich fand ich es hat einigermaßen gut funktioniert, dafür dass ich es zum allerersten Mal probiert habe. Trotzdem dass ich oft hingefallen bin, mich es übers Board geschlagen hat, in circa 7 Quallen getreten bin und das Board ein paar Mal ordentlich gegen den Kopf bekommen hab. Und nach einem echt sehr guten aber anstrengenden Tag sind wir wieder nach Hause. Und eins könnt ihr mir glauben: Ich hab geschlafen wie ein Baby. In den nächsten Tagen hatte ich zwar Muskelkater, üble Schürfwunden, wahnsinnigen Sonnenbrand, Ausschlag und sonstige Sachen aber das wars sicher wert! Und ich hoffe ich kann das nochmal wiederholen!















Die letzten Wochen waren nicht wirklich die einfachsten. Es kam so einiges zusammen und ich musste mich von manchen Leuten verabschieden. Bei manchen, weil sie nun wieder nach Deutschland oder Belgien zurückfliegen mussten. Ich freue mich einfach sie irgendwann wieder wiederzusehen. Ansonsten heißt es für mich noch mehr Tschüss sagen, weil ich meine Gastfamilie wechseln werde.




Ich bin selbst sehr gespannt was ich in dem nächsten Blog-Eintrag neues berichten kann! 

„Das schönste was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken.“



Euro Ronja





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